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Schlaflos in Tel Aviv

Stoßstange an Stoßstange quälen wir uns vorwärts. Zentimeterweise kommen die Jeeps und Cabrios, die Pickups und Limousinen weiter. Die Luft ist erfüllt von Abgasen, hysterischem Gehupe und subwooferverstärkter Musik. In den ineinander verkeilten Autos sitzen – gestikulierend und für alle hörbar am Handy te­lefonierend – Sabres, junge Israelis.

Für hundert Me­ter auf der Promeniermeile Dizengoff Street brau­chen wir eine halbe Stunde. Unser Fahrer, ein Stu­dent, lacht: „So ist das zur Rush hour in Tel Aviv.“ Es ist zwei Uhr morgens und wir sind unterwegs, um das Nachtleben von Tel Aviv kennenzulernen. Vor mehr als hundert Jah­ren war’s hier totenstill, nur einige Häuser euro­pä­i­scher jüdischer Immigranten standen in den Dünen nördlich der biblischen Hafenstadt Jaffa.

Heute ist Tel Aviv das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des etwas mehr als ein halbes Jahrhundert jungen isarelischen Staates. Eine moderne Metropole mit kilometerlangen, goldfarbenen Sandstränden, Hotelburgen, neoklassizistischen Neubauten und ver­stopf­ten Straßen. Täglich pendeln mehr als 700.000 Israelis mit dem Auto nach Tel Aviv, der zweitgrößten Stadt Israels, ein, wo 400.000 Menschen leben.

Tel Aviv, der „Frühlingshügel“, ist eine Stadt ohne Konzeption. Mu­seen, Kirchen, Moscheen und Synagogen stehen im Schatten riesiger Betonklötze. Shops, Restaurants, Kneipen, Ca­fés, Bars und Discos säumen die breiten Boulevards. Sperrstunde ist hier unbekannt. Po­litik und Religion sind in der multikulturellen Stadt Ne­ben­­sa­che, nicht einmal die Schabbat-Gebote werden beachtet.

Hier herrscht die pure Lebenslust, von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten. Das Wochenende beginnt am Freitag und endet Samstagnacht. Sonntag ist für die Israelis ein Montag, ein Arbeitstag.  Dazwischen wird gelacht, gesungen, gestöhnt, geflucht und auf den Boden gespuckt.  Mazel tov (מזל טוב), viel Glück.
(c) Georg Karp

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Türkei: Traumstrände mit „Blauer Fahne“

Da lacht das Herz eines jeden Urlaubers: 324 Strände und 17 Marinas in der Türkei dürfen sich 2011 mit der Blauen Flagge schmücken. Jedes Jahr wird das renommierte Öko-Label an Strände weltweit verliehen, die strenge Kriterien an Wasserqualität, Sicherheitsstandards sowie Umwelt- und Naturschutz erfüllen.

Die Türkei schneidet dabei kontinuierlich sehr gut ab und zählt zur internationalen Spitzengruppe. Auf ihren Lorbeeren ausruhen können sich die ausgezeichneten Strände jedoch nicht – jedes Jahr prüfen die Inspektoren der unabhängigen Foundation for Environmental Education erneut die Einhaltung der hohen Qualitätsstandards.

Die Türkei ist voller unberührter Paradiese Die Spitzenposition türkischer Badestrände wird neben den spektakulären Landschaftsgegebenheiten durch ein nachhaltiges Naturschutzkonzept gewährleitet. Bestes Beispiel dafür ist der Patara-Strand in der Region Antalya. Der feine Sandstrand misst zwölf Kilometer, kein anderer Strand in Europa ist länger. Gewaltige Dünen, Wind und Wellen zeichnen Patara aus – von Massentourismus dagegen keine Spur.

Da das Gebiet um den Strand unter Naturschutz steht, dürfen keine Hotelanlagen gebaut werden, Reisende suchen lieber die familiären Pensionen und Hotels im anliegenden Dorf auf. Der atemberaubende Strand ist ein Garant für Ruhe und Erholung.

Ebenso naturbelassen sind der Iztuzu-Strand südlich von Dalyan und der Olympos-Strand bei Cirali. Voller Leben: die Strände Incekum und Ölü Deniz.Quirliger geht es am Incekum-Strand zu – an dem lebhaften Küstenabschnitt mit modernen Clubanlagen fühlen sich vor allem Familien wohl. Feiner Sand, flache Gewässer und ein mildes Klima sorgen für auch bei den Kleinen für viel Badespaß.

Ebenso beliebt ist die Bucht Ölü Deniz. Die azurblaue Lagune bei Fethiye lockt täglich viele Urlauber aus den nahe gelegenen Resorts an. Hohe Besucherzahlen und Sauberkeit müssen sich nicht ausschließen: Beide Strände erhielten die begehrten Blauen Fahnen.

Einmal fliegen, doppelt Meilen kassieren

Wer ab sofort und bis 31. Juli 2011 mit Ethiopian Airlines, der Fluggesellschaft mit dem größten Streckennetz auf dem afrikanischen Kontinent, zu ausgewählten Zielen nach Afrika fliegt, darf sich über ein ganz besonderes Geschenk freuen.

Denn die Airline schreibt allen Mitgliedern des ShebaMiles Vielfliegerprogramms von Ethiopian für die Strecke von Frankfurt nach Addis Abeba sowie für die Verbindungen von Addis Abeba nach Entebbe (Uganda), Mombasa (Kenia), Nairobi (Kenia), Kilimandscharo (Tansania), Kigali (Ruanda), Daressalam (Tansania), Sansibar und Bujumbura (Burundi) doppelte Meilen gut. Das Bonusmeilen-Angebot soll Vielflieger belohnen und zudem die Flug-Aktivität auf diesen Routen weiter stärken.

Generell profitieren Passagiere von Ethiopian Airlines von zahlreichen Vorteilen. Neben dem ShebaMiles-Vielfliegerprogramm können die Gäste dank der Mitgliedschaft bei der Star Alliance auch auf Star-Alliance-Flügen Meilen des Vielfliegerprogramms Miles&More sammeln.

Die Ethiopian Airlines, eine der größten und am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften Afrikas, begann ihren ersten Liniendienst 1946 von Addis Abeba nach Kairo. Heute bedient die Fluggesellschaft 60 Destinationen rund um den Globus. Äthiopiens nationale Fluggesellschaft unterhält eine der modernsten und jüngsten Flotten. In Zukunft erwartet der Carrier die Auslieferung der neuen Boeing 787 und wird die erste Fluggesellschaft sein, die den Dreamliner nach Afrika einsetzt. Ethiopian Airlines fliegt fünfmal wöchentlich nonstop per Nachtflug von Frankfurt aus zum Drehkreuz Addis Abeba und von dort weiter zu 39 Zielen auf dem afrikanischen Kontinent.

Sogar die Bahn dreht sich im Steinbock-Land

Blick über Davos Platz gegen Osten.: Eingebettet in eine großartige Landschaft bietet Davos Klosters ein vielfältiges Sport- und Erholungsangebot (Foto:  Davos Tourismus)
Blick über Davos Platz gegen Osten.: Eingebettet in eine großartige Landschaft bietet Davos Klosters ein vielfältiges Sport- und Erholungsangebot (Foto: Davos Tourismus)

Ankunft in Davos, dem größten Winterferienort der Schweiz.Gerädert nach achtstündiger Bahnfahrt und einer schlaflosen Nacht in einer Zweibettkoje mit den Maßen einer Zwergpinscherhütte. Der erste Eindruck – kein schöner Anblick. Appartementhäuser soweit das Auge reicht. Hässlich, stillos und sauteuer. Scheinbar haben die Reichen nur Geld, aber keinen Geschmack.

Gegenüber dem Bahnhof: ein Betonklotz – von außen wie ein Bunker mit einer moscheeähnlichen Kuppel, erinnert ein bisschen an Samarkand, innen ein Shopping Center. Nur das Fünf-Sterne-Luxus-Hotel Steigenberger Belvédère hebt sich elegant und jugendstilvoll von der Wildwestarchitektur der hingeklotzten Appartementhäuser ab, die keine Baurichtlinien, keine Vorschriften und keine Gesetze zu kennen scheint.

Blick auf das abendliche Sport-Mekka Davos. Die Stadt verfügt über eine Angebotsvielfalt, die von keinem anderen Bergferienort Europas erreicht wird. Davos ist Ferien-, Sport-, Kongress-, Gesundheits-, Forschungs- und Kulturstadt (Foto: Davis Tourismus)
Blick auf das abendliche Sport-Mekka Davos. Die Stadt verfügt über eine Angebotsvielfalt, die von keinem anderen Bergferienort Europas erreicht wird. Davos ist Ferien-, Sport-, Kongress-, Gesundheits-, Forschungs- und Kulturstadt (Foto: Davis Tourismus)

Rund 12.000 Menschen leben in Davos ganzjährig, nur wenn der Winter die Stadt und Umgebung mit Schnee bedeckt, dann treten sich hier an die 24.000 und mehr Menschen auf die Zehen, bevölkern die Pisten.

William J. Clinton, Founder, William Jefferson Clinton Foundation; President of the United States (1993-2001), William H. Gates III, Co-Founder, Bill & Melinda Gates Foundation; Chairman and Chief Software Architect, Microsoft Corporation, USA; Thabo Mbeki, President of South Africa; Tony Blair, Prime Minister of the United Kingdom; Bono, Musician, DATA (Debt, AIDS and Trade in Africa), United Kingdom, and Olusegun Obasanjo, President of Nigeria (FLTR), captured before the start of the session 'The G-8 and Africa: Rhetoric or Action?' at the Annual Meeting 2005 of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, January 27, 2005 (Foto: Severin Nowacki/swiss-image.ch/World Economic Forum)
William J. Clinton, Founder, William Jefferson Clinton Foundation; President of the United States (1993-2001), William H. Gates III, Co-Founder, Bill & Melinda Gates Foundation; Chairman and Chief Software Architect, Microsoft Corporation, USA; Thabo Mbeki, President of South Africa; Tony Blair, Prime Minister of the United Kingdom; Bono, Musician, DATA (Debt, AIDS and Trade in Africa), United Kingdom, and Olusegun Obasanjo, President of Nigeria (FLTR), captured before the start of the session ‚The G-8 and Africa: Rhetoric or Action?‘ at the Annual Meeting 2005 of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, January 27, 2005 (Foto: Severin Nowacki/swiss-image.ch/World Economic Forum)

Und alljährlich zum Jahresanfang überschwemmen Journalisten, Fotografen und TV-Teams aus aller Welt die Metropole im Steinbockland Graubünden, während die Mächtigen und Reichen, die Banker und Industriebosse, die Philosophen und Dampfplauderer zum „World Economic Forum“ nach Davos kommen, um tagelang mit vollem Magen vollmundig gute Ratschläge den Hungernden, Armen und Unterdrückten in der Dritten Welt zu erteilen.

Roulette, Black Jack, Slot Machines – im Casino Davos kann jeder sein Glück versuchen. Und wenn er Glück hat und den Jackpot knackt, kann er sich in Davos ein Appartement kaufen, wenn er wieder Glück hat und eines findet (Foto: Davos Tourismus)
Roulette, Black Jack, Slot Machines – im Casino Davos kann jeder sein Glück versuchen. Und wenn er Glück hat und den Jackpot knackt, kann er sich in Davos ein Appartement kaufen, wenn er wieder Glück hat und eines findet (Foto: Davos Tourismus)

Davos, flächenmäßig die größte Gemeinde in der Schweiz, ist „offen für fremde Leute“, erzählt unser Guide. Neben Tourismus wird hier auch geforscht, werden Knochen gebrochen, um Knochenforschung zu betreiben, und es finden laufend Kongresse statt. Der Kongresstourismus fordert seine Opfer: In den Hotels weichen die Pools zusätzlichen Konferenzräumen.

Wir nehmen den 8er Postbus und fahren ins Sertigtal, wo typische Walser Blockhäuser aus Lärchenholz statt gesichtsloser Appartementhäuser aus Beton die alpine Landschaft schmücken. Und mit Sonnenenergie gespeiste Parkuhren müssen für die Benützung des Parkplatzes in der Einöde mit Franken gespeist werden.

Blick auf das Dorf Davos Monstein, ein typisches Walserdorf. Es gehört zu den fünf Davoser Gemeindefraktionen (Foto: Davos Tourismus)
Blick auf das Dorf Davos Monstein, ein typisches Walserdorf. Es gehört zu den fünf Davoser Gemeindefraktionen (Foto: Davos Tourismus)

Unterwegs mit der Standseilbahn zur Schatzalp. Es geht steil aufwärts. Zum Berghotel, wo hinter der klassizistischen Fassade des einstigen Luxussanatoriums tuberkulöse Reiche im Jugendstil-Ambiente Erholung von ihrer Krankheit suchten. Ein gelbes Schild in der Kabine ermahnt uns: „Bitte keine Rucksäcke ins Tal werfen!

Vor 150 Jahren propagierte der deutsche Arzt Alexander Spengler, der aus politischen Gründen in die Schweiz geflüchtet war, die einzigartige Davoser Höhenluft als Heilmittel für Tuberkulosekranke. Und im Dezember 1900 baute ein Holländer das Luxussanatorium für seine an Schwindsucht erkrankte Frau. Damals konnte die Tuberkulose nicht geheilt, sondern nur gelindert werden – in gesunder Höhenluft. In den Wandelhallen standen Liegenstühle für die Patienten, Reiche flanierten in Pelzmäntel gehüllt auf und ab.

Heute versuchen zwei Davoser, die das marode Berghotel aus einer Auffanggesellschaft gekauft haben, dem verfallenen Luxussanatorium, das Thomas Mann nach zweiwöchigem Aufenthalt in seinem Romanepos „Zauberberg“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat, neues Leben einzuhauchen. Die Reanimation zeigt erste Spuren: 170 Hotelbetten sind bezogen, innen dominiert ein verspielter, floraler Jugendstil, außen zeigt das in die Jahre gekommene Berghotel ein neoklassizistisches Gesicht.

Das zu der Gruppe der „Historic Swiss Hotels“ gehörende Haus verfolgt eine Hotelphilosophie gegen den vorherrschenden Trend, erzählt der badensische Restaurantmanager Michael Feulner, der für das leibliche Wohl der Gäste zuständig ist. „ Die Gäste sollen Spaß am Essen und Trinken haben.“ Vor allem beim Schlürfen eines echten Champagners, der nur elf Euro statt 50 und mehr in Davos kostet.

Hier oben auf der Schatzalp gehen die Uhren langsamer, hier setzen die Tourismusmanager im Winter auf Entschleunigung statt Adrenalinkick: „Die steilen Hänge werden entschärft, die Pisten präpariert. Früher hatten die Touristen Angst vor den Pistenrasern, jetzt kommen sie wieder“, erzählt der Badenser. Und wenn die Snowboarder kommen, spielt der Abt Ländlemusik und schon sind die wieder weg.

In den Zimmern gibt es keine Fernsehgeräte. Dafür ist die im sündigen Rot gehaltene X-Ray Bar im Halbstock, der ehemalige Röntgenraum, mit einem Riesenflachbildschirm, einer Telefonanlage aus de Gründungstagen desSanatoriums  und einer üppigen Auswahl an Cocktais und Drinks ausgestattet. Damit die Kommunikation so richtig in Gang kommt, wird der Cocktail „Sex on the beach“ um 14 Franken angeboten.

Ein liebevoll vom Hotelgärtner gehegtes und gepflegtes Alpinum mit über 4.000 Pflanzen soll die Hotelgäste zur Rückbesinnung auf die Bedeutung der Pflanzenwelt für die Menschheit führen, da die Kinder von heute nicht einmal fünf Alpenpflanzen aufzählen können. „Die Menschen haben heute keinen Respekt vor den Pflanzen, keine Achtung und Ahnung.“

Im Wintersport-Museum von Davos können prachtvolle Ausstellungsgegenstände wie zum Beispiel Schlitten, Bob, Ski, Schlittschuhe, Curling-Material usw. aus den Anfängen des Wintersports bis hin zur Gegenwart besichtigt werden (Foto: Davos Tourismus/Sportmuseum)
Im Wintersport-Museum von Davos können prachtvolle Ausstellungsgegenstände wie zum Beispiel Schlitten, Bob, Ski, Schlittschuhe, Curling-Material usw. aus den Anfängen des Wintersports bis hin zur Gegenwart besichtigt werden (Foto: Davos Tourismus/Sportmuseum)

Unten in Davos wird im Sportmuseum hingegen Kult betrieben. Medaillen, Plaketten, Pokale, Skischuhe, Rodeln, Fotos, Bücher und Plakate halten die Erinnerung an den Sportsgeist von Davos wach. Das Museum verdanken die Davoser dem deutschen Bakteriologen Dr. Carl Spengler, der aus politischen Gründen aus Deutschland flüchten musste.

Er war Besitzer der ersten Skis in Davos, gründete den legendären Spengler-Cup und legte den Grundstein für das Wintersportmuseum, wo Geschichte und Geschichten erzählt werden. Der „Weltsportplatz“ erlebte auch dunkle Tage, als 1996 ein Brandstifter das Davoser Eissportzentrum in Schutt und Asche legte. Nach den Löscharbeiten wurde der Mann, der das Feuer gelegt hatte,  festgenommen. Es war ein Feuerwehrmann.

Vierundzwanzig Stunden in Davos reichen, um dieses Herzstück des Wintersports in der Schweiz zu beschnuppern, um es kennenzulernen und dann mit dem Bernina Express der Rhätischen Bahn Richtung Süden zu reisen. Er verbindet Chur und das italienische Tirano, fährt am Moteratsch-Gletscher und dem berühmten St. Moritzer Skigebiet Diavolezza vorbei und über die Bernina – mit 2.253 m der höchste Pass für Bahnen in Europa.

Wir drehen und schrauben uns die Trassen hoch, sehen so machen Dörfer und Orte mehrmals aus verschiedenen Perspektiven. Es geht aufwärts, unter uns die Täler, die Wolken hängen tief. Links und rechts geht es steil abwärts.

Nach mehr als drei Stunden  Drehen und Schrauben, Quietschen und Schaukeln sind wir in Tirano, eine Grenzstadt, in der das Dolce far niente erkennbar ist, wo das Mittagessen zwei bis drei Stunden dauert, wo die Stadt ein Gesicht hat. Dann geht es weitere drei Stunden mit dem gelben Postbus der Schweiz nach Lugano. Aber das ist eine andere Geschichte.

(c) Georg Karp

Entdecken, erleben, erfahren!

Lassen wir uns verführen. Geben wir uns hin dem Erleben und Zauber des Neuen. Die Lust am Aufbruch, die Freude am Unbekannten und Unerforschten, der Reiz des Beobachtens und Genießens, die sinnliche Erfahrung des Fremden und Faszinierenden, das ist es, was einen vollkommenen Urlaub ausmacht.

Hinter uns die Hektik, der Ärger, die Fadesse der zur Routine gewordenen Normalität. Vor uns die ungeduldige Erwartung und die Sehnsucht, das Abenteuer und das Glück des Erlebens. Ja, die Kunst des Loslassens, des Überquerens von physischen und emoti­o­nalen Grenzen, macht den Reiz des Reisens aus, weckt unsere Ohren für die leise Poesie der Reise, öffnet unsere Augen für das kleine Glück unterwegs.

„Wenn das Streben nach Glück unser Le­­ben beherrscht, erschließen uns vielleicht nur wenige unserer Handlungen soviel über die Dyna­mik dieser Suche – mit all ihrer Inbrunst und ihren Paradoxien – wie die Reisen, die wir unterneh­men. In ihnen drückt sich, wie kraus auch immer, eine Vorstellung davon aus, wie das Leben außerhalb der Zwänge von Arbeit und Überlebenskampf sein sollte“, sagt der Philosoph Alain Botton.
(c) Georg Karp

Wie finden wir das Urlaubsglück?

Jeder Mensch sehnt sich nach Urlaub. Denn er ist für den modernen Menschen eine der größten Glücksquellen. Urlaub bedeutet Leben ohne Zeitdruck, Genuss und Freude, Abstand vom Alltag und Freiheit von Zwängen aller Art. Aber sich nach etwas sehnen heißt noch lange nicht, es auch zu erreichen. Und so wird der latente „Glückszwang“ im Urlaub für viele zum Ballast: Schließlich hat der Urlaub – so verlangt’s die gesellschaftliche Konvention – erfolgreich zu sein, sonst hat man die falsche Erholungsstrategie gewählt. Doch wer will schon nach der Rückkehr zugeben, dass sein Urlaub eine Fehlinvestition war?

„Eine strapazierte Seele braucht ebenso überlegte Urlaubsplanung wie eine strapazierte Bandscheibe“, sagt Michael Stark, Professor für klinische Sozialpsy­-
chiatrie. Er weiß, wovon er redet: Immer mehr Urlauber kommen gestresst und nicht erholt von der Reise zurück, Freizeitstress und Belastung haben ihre Seele aufgefressen.

Die permanente Suche nach dem Urlaubsglück wird zur Neurose, die schlussendlich in einer Urlaubskrise endet – Frust, Streit, Eifersucht und gegenseitige Vorwürfe wegen der Wahl des Urlaubsziels trüben den Urlaubsalltag, die Suche nach Kakerlaken und Mängeln am Urlaubsort wird zur manischen Obsession, die Bereitschaft zum Meckern und Beschweren zum Spielball der Wut.

Alle sind glücklich, nur ich nicht. Ich werde mich beschweren, denen, die mir die Reise verkauft haben, ordentlich einheizen. Mit mir nicht, sagt der glücklose Urlauber und beginnt den Alltag erneut mit noch mehr Stress.

Dabei ist es wirklich einfach, aus Urlaub echte Erholung zu machen. Wenn die Seele neue Kraft braucht, dann sollten sich die Urlaubsgefrusteten vor dem nächsten Reisefiasko einige grundsätzliche und doch einfache Fragen stellen: Wie erholsam war mein letzter Urlaub wirklich? Wie reif bin ich für den nächsten Urlaub? Was erwarte ich von einem gelungenen Urlaub? Welche Urlaubsärger kenne ich bereits aus eigener Erfahrung, was kann ich dagegen tun? Soll ich einen „Urlaub um die Ecke“ oder eine „Reise um die Welt“ buchen? Suche ich das Abenteuer oder das Wohlfühlerlebnis? Möchte ich fremde Länder, Menschen und Sitten näher kennen, sie verstehen lernen oder in einer künstlichen Clubwelt „alles inklusive“ konsumieren? Will ich mit Pauschaltouristen auf die Reise gehen oder auf eigene Faust? Will ich meinen nächsten Urlaub in letzter Minute antreten oder ein halbes Jahr vorbereiten, damit alles klappt?

Wer sich also diese Fragen bei der Urlaubsplanung stellt und sie ehrlich beantwortet, hat damit schon den ersten Schritt zur richtigen Erholungsstrategie getan. Dann ist’s nicht mehr weit bis zum ersehnten Urlaubsglück.
(c) Georg Karp

Die Kunst des sinnlichen Reisens

Anderswo ist immer anders. Städte und Menschen mit anderen Augen zu sehen und zu erfahren – auch wenn man sie schon zu kennen glaubt. So üben wir Ferienmenschen uns wieder in einer aussterbenden Kunst: in der des sinnlichen Reisens.

Denn wer die Wirklichkeit einer Stadt, eines Landes, einer Region erspüren will, muss mit offenen Sinnen schlendern, meint der Schriftsteller Horst Krüger. Er muss schauen, hören, tasten, schmecken und riechen. Er muss sich in muffige Treppenhäuser vorwagen, er muss einen Blick auf Hinterhöfe und Gartenhäuser werfen, in verrauchten Kneipen einkehren, beobachten und zuhören.

So also leben die Menschen hier? Das ist ihr Alltag? Wer die Wirklichkeit einer Stadt sehen will, sollte schließlich auf Märkte gehen. Denn Märkte haben ihren eigenen Blues, erzählen wahre Geschichten, von und für Hausfrauen zum Beispiel, von traurigen Schicksalen und Außenseitern der Gesellschaft, von Arroganz und Vorurteilen.

Vom Glück des Reisens. Aufzubrechen, wohin einer will, dorthin zu gelangen, wo noch keiner war, von Dingen berichten, die so noch nie erzählt wurden: das sind die wohl stärksten Triebkräfte des Reisens, schreibt Ulf Diederichs in „Vom Glück des Reisens“.

Und er fragt zu Recht: „Was ist Reiseglück? Ist es das, was einem auf Reisen manchmal jäh überfällt, sich aber nur schlecht in Worten ausdrücken lässt? Ist es das Glück eines, der von der Reise kommt und etwas zu erzählen hat, woher all das, was er erlebt hat – auch die größte Gefahr, die ärgste Strapaze  –, dem eigenen Erfahrungs- und Erzählschatz zugute kommt? Ist es das Glück dessen, der erfrischt und auch irgendwie verändert zurückkehrt? Ist es das Glück dessen, der an aufregenden Abenteuern teilnimmt, ohne auf die Annehmlichkeit eines Sessels oder eines kühlen Drinks verzichten zu müssen?“

Die Magie des Ankommens. Tauchen wir also ein, in die Kunst des Reisens, lernen wir wieder das Gras wachsen hören, überschreiten wir das Gewohnte, betreten wir neugierig neues Terrain jenseits der selbst gesteckten inneren und äußeren Grenzen. Denn „Menschen, die das Gras wachsen hören, sind offen, neugierig und wissensdurstig“, ist die Schriftstellerin Luisa Francia überzeugt.

Nur wer seinen Körper und die Welt, die ihn umgibt, mit allen Sinnen wahrnimmt, spürt das Verwobensein alles Lebendigen. Und er wird dabei das Glück des Reisens neu erfahren, seine Kraftorte – hier und anderswo – erleben und seine ureigenen Kultplätze entdecken. Reisen wir wohl.
(c) Georg Karp