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Sommergespräche: Viel heiße Luft und öde Fadesse

Die ORF-Sommergespräche entwickeln sich immer mehr zu einem langweiligen Ladenhüter. Bis zu 476.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen am Dienstag, dem 23. August 2011, das ORF-„Sommergespräch“ mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Im Durchschnitt waren 411.000 Gebührenzahler bei einem Marktanteil von 19 Prozent bei dem Gespräch mit der ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher dabei.

Gegenüber dem Vorjahr musste der blauäugige Strache Zuschauer- und Marktanteilseinbußen hinnehmen. Damals verfolgten 617.000 (26 Prozent nationaler Marktanteil) das Gespräch des FPÖ-Obmanns mit Ingrid Thurnher und DiTech-Gesellschafterin Aleksandra Izdebska.

Auch das Sommergespräch zwischen Ingrid Thurnher und Grünen-Chefin Eva Glawischnig stieß auf sehr mäßiges Zuschauerinteresse: Durchschnittlich 306.000 Zuseher hielten es bei den gebetsmühlenartigen wiederholten Worthülsen der Grünen-Chefin aus. Das entspricht einem Marktanteil von 15 Prozent. Im Vorjahr kam der Talk noch auf 557.000 Zuschauer.

Und das erste Sommergespräch in diesem Jahr mit BZÖ-Chef Josef Bucher verfolgten im Schnitt nur 318.000 Leute. Auch dieses langweilte die Zuseher, weil nichts Neues gefragt und viel Altes gesudert wurde.

Lag das nun am etwas abgehackten – man ist sogar geneigt zu sagen stotternden –  Fragestil der ORF-Moderatorin oder haben die bisher eingeladenen Gesprächspartner wirklich nichts mehr zu sagen?

Was wird der ÖVP-Bundesparteiobmann und Vizekanzler Michael Spindelegger am 26. August zu vermelden haben, was wird die ORF-Talkerin Thurnher am 30. August den SPÖ-Vorsitzenden Bundeskanzler Werner Faymann Neues fragen, was wir Bürger und Gebührenzahler ohnehin noch nicht wissen?

Sorry, sorry, aber mit diesen abgedroschenen und zahnlosen Fragen kann man die Bürger nicht vor dem Bildschirm locken. Es fehlt der ORF-Lady Ingrid Thurnher leider der Biss.
Georg Karp

Die Blödmaschinen und das Denken

„In einer Konsensgesellschaft unterdrückt man das gefährliche Denken durch zwei sehr bewährte Mittel. Man überträgt ihm gesellschaftlich einen Geruch. Denken ist peinlich, vor allem öffentlich. Eine Art, sich danebenzubenehmen. Und weil aber das Denken trotz allem nie ganz verleugnen kann, aus einem Vergnügen entstanden zu sein (the best things in life are free!), geht es darum, andere Dinge an seine Stelle zu setzen. Wir nennen sie: die Blödmaschinen.“

„Blödmaschinen wirken nicht in den Kellern der Inquisition, und sie werden nicht in geheimen Kommandozentralen gesteuert. Sie sind demokratisch, menschlich und transparent. Jeder kann sie mit betätigen, jeder könnte sie ausschalten, für seinen Teil. Blödmaschinen machen selten angst (na ja, ab und zu drehen sie durch, und das kostet Opfer), sie verlangen nur wenig Unterwerfung (dies aber dann regelmäßig und verläßlich), und sie versprechen jede Menge Vergnügen. Ordentliches, berechenbares, ungefährliches Vergnügen. Und gar nicht mal so teuer.“

„So weit, so schön und einfach. Aber leider: Für schöne und einfache Sachen sind die Blödmaschinen zuständig. Das Denken macht es sich mal wieder schwerer.“

„Alles, was man denken kann, kann man auch ändern. Die Herrschaft der Blödmaschinen besteht darin, die Welt undenkbar und damit unveränderbar zu machen. Die Welt wieder denkbar und veränderbar zu machen – das wäre doch was. Oder?“

Markus Metz und Georg Seeßlen in

Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität (Leseprobe) edition suhrkamp

Abgesang auf einen Alt-Nazi

Eigenartig, eigenartig: Da stirbt der „Doyen der Neonazi-Szene in Österreich und Deutschland“ (sic!) und die Steiermark-Online-Redaktion des öffentlich-rechtlichen Meinungsmonopols ORF widmet dem Tod des „Untersturmführers der ersten Waffen-SS-Division“ mehr als 35 Zeilen im Internet – sozusagen als einen Quasi-Nachruf in einem informativen Nachrichtenkleid.

Aufstand im Warschauer Ghetto – Fotografie von Jürgen Stroop. Aus dem Stroop-Bericht von 1943 an Heinrich Himmler von Mai 1943. Die originale Bildunterschrift lautet „Mit Gewalt aus Bunkern hervorgeholt“. Es ist eines der bekanntesten Fotos aus dem zweiten Weltkrieg. Erstmals veröffentlicht in „Sprawozdanie Juergena Stroopa“ (1948) von Stanisław Piotrowski

Hallo, hallo, haben wir wirklich nichts anderes, nichts besseres zu berichten? Trauert da vielleicht jemand um die „Integrationsfigur des Rechtsextremismus“? Weint jemand dem Altnazi nach? Wäre es nicht zeitgeschichtlich wesentlich wichtiger, über den Tod der letzten Überlebenden des Holocaust zu informieren?

Der Abgang der „grauen Eminenz der deutsch-österreichischen Neonazi-Szene“, so das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), ist in Anbetracht der Vergangenheit dieses Mannes nicht einmal eine Marginale wert. Wem also nützt dieser Abgesang? Ist der Tod eines Unverbesserlichen wirklich vermeldenswert und noch dazu in dieser Breite? Oder gibt es da vielleicht noch braune Flecken in der grünen Mark?

Warten wir mal ab, wer zum Begräbnis antanzt, welcher Rechte die Rechte zum letzten Gruß erhebt. Vielleicht schickt die Steiermark-Redaktion des ORF auch einen Kranz? Wer weiß, wer weiß.
GeKa