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Veit Heinichen: Triest, eine Stadt der Kontraste, Gegensätze und Widersprüche

Deutsch: Triest, Hafen
Die ehemalige k.u.k. Hafenstadt Triest lebt noch heute vom Glanz der glorreichen Vergangenheit (Foto: Wikipedia)

Wenn Kommissar Proteo Laurenti in der von Geschichte, Politik und Winden gebeutelten Hafenstadt Triest ermittelt, knistert’s seitenweise vor Spannung und dichter Atmosphäre. „Man ist hier nie zu Ende mit dem Beobachten“, verriet sein Erfinder Veit Heinichen in einem Interview.

Denn: „Triest liegt zwischen den Himmelsrichtungen, zwischen den Ideologien. Die Widersprüche, auch die zwischen Kultur und Kommerz, sind hier vielleicht heftiger als anderswo.“

So ist’s kein Wunder, dass der Schriftsteller seit 1999 seinen Lebensmittelpunkt ganz nach Triest verlagert hat, wo ein brisantes Vielvölkergemisch aus 90 Ethnien für Gesprächsstoff sorgt.

Veit Heinichen, geboren 1957, arbeitete als Buchhändler und für verschiedene Verlage. 1994 war er Mitbegründer des Berlin Verlags und bis 1999 dessen Geschäftsführer.

1980 kam er zum ersten Mal nach Triest, wo er heute lebt. Seine Krimis um den Ermittler Proteo Laurenti wurden in mehrere Sprachen übersetzt und u.a. mit dem Premio Franco Fedeli, dem Preis für einen der drei besten italienischen Krimis des Jahres, sowie dem Radio-Bremen-Krimipreis ausgezeichnet.

Veit Heinichen: Der Tod wirft lange Schatten (dtv)
Veit Heinichen: Der Tod wirft lange Schatten (dtv)

Und hier in Triest hat Heinichen auch alle seine Kriminalromane mit Kommissar Proteo Laurenti angesiedelt  – zum Beispiel „Gib jedem seinen eigenen Tod“, „Die Toten vom Karst“, „Tod auf der Warteliste“ oder „Der Tod wirft lange Schatten“ (alle im Zsolnay Verlag bzw. als Taschenbuch bei dtv erschienen).

Triest im Jahr 1885 / Italian City of Triest i...
Triest im Jahr 1885 (Photo: Wikipedia)

Heinichen: „Wir werden auf jeder Seite der Tageszeitung mit einem Delikt konfrontiert, ob das schwarze Kassen sind in der Politik oder der übliche Korruptionssumpf, Bilanzfälschungen oder die Auswüchse der New Economy, überall ermittelt ein Staatsanwalt. Und ich denke, auch über den Zusammenfall des sozialen Kontrakts, aber auch über den rasenden technischen Fortschritt, entstehen neue Geschäftsfelder auch für die globalisierte Kriminalität.“

„Der Kriminalroman ist ein ideales Mittel, um die moderne Gesellschaft abzubilden“, so Veit Heinichen. „Die Neurosen einer Epoche und eines Raumes kommen im Roman am stärksten zum Ausdruck. Triest, die Hafen- und Grenzstadt am nördlichen Golf der Adria, ist Schnittstelle zwischen romanischer, slawischer und germanischer Kultur, hier begegnen sich die mediterrane Welt und die des Nordens, Osteuropa und der Balkan treffen auf Westeuropa, sowie die ‚geistigen Formationen’ Meer und Berg. Eine Stadt voller Kontraste, Gegensätze, Widersprüche und der Brücken zwischen diesen. Triest ist, wie Le Monde schrieb, der Prototyp der europäischen Stadt – und eine Fundgrube für denjenigen, der begreifen will, wie dieses Europa funktioniert.“ (Quelle: dtv)

James Ellroy: Mord ist sein Metier

James Ellroy: Blut will fließen. Eine ­explosive Mischung aus Gewalt und Verschwörung, Sex und Drogen. Mit diesem Thriller hat James Ellroy seine Underworld-Trilogie beendet
James Ellroy: Blut will fließen. Eine ­explosive Mischung aus Gewalt und Verschwörung, Sex und Drogen. Mit diesem Thriller hat James Ellroy seine Underworld-Trilogie beendet

Der Mann mit dem durchdringenden Blick ist besessen. Von Mördern und Gangs­tern, von den dunklen Seiten Amerikas und den mafiösen Machenschaften korrupter Politiker, von der subtilen Perfidie des FBI und vom dicht geflochtenen Lügennetz der CIA.

Die Schauplätze seiner blutigen Storys: Los Angeles, Las Vegas und Dallas, Metropolen, wo Cops kriminell und Kriminelle reich werden. James Ellroy schreibt brutal, politisch unkorrekt, aber authentisch, mit einem genetischen Gespür fürs Pathologische.

„Aus seinen Büchern weht der Wind des Bösen“, meint ein Kritiker. James Ellroy, 62, ist unbestritten Amerikas bester Krimiautor. Seine mehrfach verfilmten Bücher sind kompliziert, weil sein Leben kompliziert ist.

Als er zehn Jahre alt ist, wird seine Mutter erdrosselt, die „Mordsache Z-483-362“ bleibt ungeklärt. Alkoholismus, Drogensucht, Obdachlosigkeit und kleinkriminelle Delikte überschatten seine triste Jugend. Eine radikale Entziehungskur und das Schreiben bringen ihn aber wieder an die Oberfläche der spießbürgerlichen Gesellschaft.

Mit „Browns Grabgesang“ beginnt 1981 seine kometenhafte Karriere als Autor. In seinem autobiografischen Thriller „Die Rothaarige“ verarbeitet er den Mord an seiner Mutter, die er hasste.

Nach der Lloyd-Hopkins-Serie („Blut auf dem Mond“, „In der Tiefe der Nacht“, „Suicide Hill“) und der L.A.-Tetralogie („Die schwarze Dahlie“, „Blutschatten“, „Stadt der Teufel“, „White Jazz“), hat er mit dem Politthriller „Blut will fließen“ (Verlag Ullstein) die Underworld-Trilogie („Ein amerikanischer Thriller“, „Ein amerikanischer Albtraum“), ein böses Gesellschaftsporträt der USA der 1960-er Jahre, beendet. James Ellroy: „Amerika, dir hab’ ich’s gegeben!“
Georg Karp