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Steigende Hotelpreise auf Urlaubsinseln in Griechenland und Italien

Insel Mykonos im Ägäischen Meer
Mykonos, die Insel der Kykladen im Ägäischen Meer, ist ein Hot-Spot für Touristen aus aller Welt. Viele Promis haben sich auf Mykonos einen exklusiven Zweitwohnsitz errichtet. Urlauber müssen hingegen in Hotels absteigen, die jetzt in der Sommer-Hauptsaison ihre Zimmerpreise erhöht haben (Foto: Bernard Gagnon/Wiki Commons)

Die Hotelpreise auf Griechenlands Urlaubsinseln steigen im August um bis zu fünfzig Prozent. Hier geht’s weiter

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Travel Industry: Wettbewerb der Urlaubsländer

Eine Marktanalyse zeigt: Die internationale Tourismuswirtschaft entdeckt neue Zielgruppen in den Schwellenländern. Die Chinesen sind im Anmarsch auf Europa

Chinesen-KautscheWeb
Immer mehr Chinesen entdecken Deutschland und Österreich als Urlaubs-Destination

Die Reisebranche umwirbt neue Kunden in Regionen der Welt, die bislang eher als exotische Ziele für Urlauber aus den reichen Industrieländern galten: In den so genannten BRIC-Staaten, den aufstrebenden Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China, wächst eine gut verdienende Mittelschicht heran.

Diese Menschen entdecken für sich Ferien und ferne Länder – Europa und das Reiseland Deutschland hoffen auf den neuen Touristen-Boom, doch sie treten gegen eine weltweite Konkurrenz der Urlaubs-Destinationen an.

„Der Tourismusmarkt ist weltweit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Doch wer glaubt, er könne etablierte Geschäftsmodelle und Produkte eins zu eins auf die neuen Zielgruppen übertragen, der irrt“, lautet das Fazit des TUI Think Tank nach der Auswertung internationaler Marktanalysen.

Im TUI Think Tank der TUI AG denken und diskutieren Fachleute aus Europas größtem Touristikkonzern sowie unabhängige Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über die Zukunft des Tourismus: „Kundenbedürfnisse und -ansprüche unterscheiden sich nicht nur zwischen etablierten und neuen Märkten, auch innerhalb der BRIC-Märkte gibt es deutliche Unterschiede in den Reisebedürfnissen. Reiseveranstalter, Hoteliers, aber auch Handel und Dienstleister, sind gut beraten, sich sorgfältig mit den Bedürfnissen ihrer neuen Zielgruppen auseinanderzusetzen und sich darauf einzustellen.“

English: bric flag Português: bandeira bric
Die Flaggen der vier BRIC-Staaten (Foto: Wikipedia)

In den BRIC-Staaten können sich mit wachsendem Wohlstand immer mehr Menschen einen Urlaub im Ausland leisten. Nach Schätzungen des renommierten Research-Instituts Euromonitor International werden aus den vier Ländern schon 2015 etwa 160 Millionen Reisen über die Landesgrenzen hinaus angetreten.

Diese Urlauber haben mit den Ferienreisenden etwa aus Europa oder Nordamerika gemeinsam, dass sie Sonne und Strand, Städtetrips und Sightseeing bevorzugen. Doch dafür haben sie geografisch ganz andere Ziele im Blick. Für Brasilianer beispielsweise sind die USA und gerade New York und Argentinien sowie Portugal, das Heimatland ihrer Muttersprache, Traumdestinationen. Gut verdienende Russen hingegen steuern weltweit Sonnenziele am Meer an oder reisen besonders gerne nach Italien und Griechenland.

Die wachsende Anzahl asiatischer Reisenden zeigt wiederum ganz andere Interessen und Bedürfnisse: Inder möchten gerne nach Singapur, Malaysia oder in die Emirate am Persischen Golf. Die Touristen aus China buchen in erster Linie Hongkong, Singapur und Südkorea. Aber auch Europa ist bei chinesischen Touristen ein immer beliebteres Reiseziel.

So reisten allein 2010 schätzungsweise 3,8 Mio. Chinesen nach Europa. Dabei haben die „neuen“ Reisenden ganz präzise Anforderungen an ihr Gastland. Vor allem erwarten sie, dass ihnen die Attraktionen des Landes bei Gruppenreisen in ihrer Muttersprache präsentiert werden. Für indische Gäste ist darüber hinaus wichtig: Sie erwarten auch fern der Heimat angemessene vegetarische indische Küche.

Auch wenn Europa in den Untersuchungen zum Reiseverhalten der Touristen aus den BRIC-Staaten noch nicht unter den Top-Destinationen zu finden ist, sind die Tourismus-Experten hierzulande doch fest davon überzeugt, etwas von dem großen Kuchen abzubekommen. Beispielsweise lockt die „Alte Welt“, so zeigt sich, besonders kultur- und geschichtsinteressierte Chinesen: Angesichts der eigenen, über die Jahrtausende zurückgehenden Geschichte fühlen sie sich auf Augenhöhe zur einzigen Destination auf der Welt mit ähnlich alten Traditionen.

Für junge, nach Individualisierung und Authentizität strebende Chinesen hingegen, dürften die europäischen Metropolen von großem Interesse sein. Dabei spielen die einzelnen Länder und Städte als Destination nur eine untergeordnete Rolle.

„Im Zeitalter von Facebook und Twitter sind interessante Erlebnisse die Statussymbole der neuen kaufkräftigen Zielgruppen aus den aufstrebenden Märkten. Für viele Touristen ist nicht die Frage der Destination selbst so sehr entscheidend, sondern vielmehr der Erlebnisse, die sie bietet. Europa ist daher gut beraten, sich als abwechslungsreiches Reiseziel mit vielfältigen Attraktionen zu präsentieren.“, empfiehlt Mario Habig, Mit-Initiator des TUI Think Tank.

English: The Brandenburg Gate in Berlin, Germa...
Das Brandenburger Tor in Berlin (Foto: Wikipedia)

Davon profitiert auch der Tourismus in Deutschland. „Natürlich kommen die Mehrzahl unserer 80 Millionen Auslandsgäste aus dem europäischen Ausland, doch die BRIC-Staaten bieten ein kaum abschätzbares Potenzial an Gästen“, erklärt die Chefin der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), Petra Hedorfer.

Allein in den vergangenen Jahren seien die Besucherzahlen aus Brasilien, Indien und China zweistellig gewachsen. Hedorfer: „Wir rechnen in den nächsten Jahren mit einem deutlichen weiteren Anwachsen dieser Zielgruppen.“ Doch es müssten, so die DZT-Chefin, erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um diese Kunden für Europa-Reisen zu gewinnen.

Eine vom TUI Think Tank kürzlich in Auftrag gegebene Studie, die sich speziell mit den Marktpotenzialen chinesischer Urlauber beschäftigt hatte, zeigt beispielhaft die speziellen Anforderungen für potenzielle neue Zielgruppen.

„Wir müssen alles daran setzen, die Sprach- und Kulturbarrieren bei unseren Gästen aus Asien zu überwinden“, sagt Dr. Michael Frenzel, Präsident des Welttourismusverbandes (WTTC). „Nur wer den chinesischen Kunden kennt und seine sozio-kulturellen Wurzeln versteht, wird in der Lage sein, diesen interessanten und wachsenden Reisemarkt mit den passenden Angebotsformaten zu bedienen.“ Und das gelte im Prinzip auch für die anderen neuen Urlauber-Quellmärkte.

Wie die Think Tank-Studie dokumentiert, erwarten Fachleute, dass sich mit wachsender Reiseerfahrung der Gäste aus China auch das Reiseverhalten ändern wird. Wo heute noch die geführte Gruppenreise zu den touristischen „Hot Spots“ wie Eiffelturm, Tower Bridge oder Brandenburger Tor ganz oben steht, werde es künftig deutlich mehr Individualtourismus geben – vom Shopping über romantische Angebote zu zweit bis hin zu Sport und Abenteuer.

Für viele Chinesen, so die Studie, sei es ein Wunschtraum, einmal auf einer deutschen Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung aufs Gaspedal treten zu können. Erwartet wird eine zahlungskräftige, anspruchsvolle Kundschaft: Aufgrund der jahrelangen Ein-Kind-Politik in der Volksrepublik wachse eine Generation wohlhabender, aber auch verwöhnter „kleiner Kaiserinnen und Kaiser“ heran.

Wie groß das Potenzial künftiger Europa-Reisender ist, lässt sich der Studie zufolge schwer abschätzen – nicht zuletzt, weil China immer noch ein Land im Umbruch ist. Doch vorsichtige Schätzungen erwarten, dass sich die Zahl der Gäste aus dem Reich der Mitte bis zum Jahr 2020 vervierfachen wird. Und bereits 2012 haben Touristen aus China mehr Geld im Ausland ausgegeben als Urlauber aus den USA und aus Deutschland, ergab die jährliche Reisestudie der Commerzbank, die im Januar 2013 vorgestellt wurde. Damit löste China die Bundesrepublik als Reiseweltmeister ab.

Buchtipp Being Social
Das Buch Being Social (Verlag Holzhausen) zeigt den Einfluss von Social Media auf Unternehmenskultur, Kommunikation und auf die Arbeitsplätze der Zukunft

In den neuen Märkten muss sich die Reisebranche – mehr noch als in ihren klassischen Heimatmärkten – auf das sich rasant verändernde Buchungsverhalten hin zu Online-Vertriebskanälen einstellen.

In Indien, Russland und China ist die Zahl die Reise-Buchungen via Internet in den vergangenen Jahren um 25 Prozent gewachsen. In Brasilien wird sogar mehr als ein Viertel des Marktes online verkauft. Das Web ersetzt dabei nicht nur den Reisekatalog, es schafft über Social Media auch neue Möglichkeiten der Kommunikation – bei der Suche und Auswahl der Ziele ebenso wie im Kontakt und Erfahrungsaustausch der Reiseerlebnisse mit anderen Urlaubern.

Eurostat: Schuldenstand Österreichs sank 2012

EU27+
EU27+ (Grafik: Wikipedia)

Österreich hat in der zweiten Jahreshälfte 2012 (3. Quartal 2012 zu 2. Quartal 2012) seine Verschuldungsquote um 1,9 Pp. (in % des BIP) verringert und verzeichnet damit EU-weit den dritthöchsten Rückgang.

Im Vergleich zum Vorjahr (3. Quartal  2011) verzeichnete Österreich einen Anstieg um 2,1 Pp., gehört aber zu den Ländern mit den geringsten Zuwächsen. Den größten Posten des öffentlichen Schuldenstands in Österreich machen nach wie vor Wertpapiere (59,6% des BIP) sowie Kredite (14,1% des BIP) aus.

Am Ende des 3. Quartals 2012 belief sich der öffentliche Schuldenstand im Euroraum laut Eurostat auf 90,0% des BIP, verglichen mit 89,9% am Ende des 2. Quartals 2012.

In der EU27 betrug der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP 85,1%, verglichen mit 85,0%. Gegenüber dem Vorjahr (3. Quartal 2011) erhöhte sich der öffentliche Schuldenstand als Prozent des BIP sowohl im Euroraum (von 86,8% auf 90,0%) als auch in der EU27 (von 81,5% auf 85,1%). Den höchsten Anstieg in der EU27 im Vergleich zum Vorjahr (3. Quartal 2011) verzeichnen Zypern (+17,5 Pp.), Irland (+13,4 Pp.) und Spanien (+10,7 Pp.).

Den höchsten Schuldenstand in der EU halten Griechenland (152,6% des BIP), Italien (127,3 % des BIP) sowie Portugal (120,3 % des BIP). Lediglich Griechenland (-10,6 Pp.), Ungarn (-4,8 Pp.), Lettland (-3,6 Pp.), Dänemark (-1,5 Pp.) und Polen (-0,4 Pp.) verzeichneten einen Rückkgang der öffentlichen Schuldenquote im Vergleich zum Vorjahr.

TUI: Die Urlaubsziele in 2013

Wohin geht 2013 die Urlaubsreise?
Wohin geht 2013 die Urlaubsreise? (Illusgtration: istock)

Die ersten Buchungswochen für den Sommer 2013  lassen die ersten Trends erkennen. Die Österreicher setzen auch 2013 wieder auf Veranstalterreisen.

„Der Wunsch nach mehr Individualität, nach Erlebnis und die Sehnsucht nach persönlicher Entwicklung führen zu immer neuen Anforderungen an die Pauschalreise. Gefragt sind flexible und individualisierte Produkte“, sagt Dr. Josef Peterleithner, Konzernsprecher TUI Austria Holding GmbH.

TUI setzt dabei auf die Entwicklung und den Ausbau eigener Hotelkonzepte, die nur bei TUI buchbar sind. Allein im Sommer 2013 gibt es zehn Neueröffnungen bei den Konzepthotels Sensimar, Puravida, Viverde und TUI best FAMILY.

Zusätzlich starten die TUI Reisewelten, die handverlesene Angebote für die sieben wichtigsten Urlaubstypen umfassen (TUI Classic, TUI Beach, TUI Nature, TUI Scene, TUI Lifestyle, TUI Premium, TUI Vital).

Josef Peterleithner: „Die TUI entwickelt sich vom klassischen Reiseproduzenten zum kreativen Urlaubsdesigner. Bis zum Jahr 2015 wollen wir den Anteil der Gäste in exklusiven Hotels von 60 auf 80 Prozent steigern.“

Neben der Pauschalreise werden auch Bausteinreisen, bei denen die verschiedenen Bausteine (Flüge, Hotels, Rundreisen etc.) zu einem individuellen Paket zusammengeschnürt werden, immer beliebter.

Vor allem bei Fernreisen lassen sich die Österreicher gerne ihre ganz persönliche Reise zusammenstellen. Und gerade dafür wird die Sicherheit und Kompetenz eines Reiseveranstalters und die Beratung im Reisebüro geschätzt.

Ungebrochen ist die Nachfrage nach CLUB MAGIC LIFE und den GULET Holiday Clubs, bedingt durch die hohe Qualität und die attraktiven Frühbucheraktionen, wie die „1-€-Kinderaktion“ in den Pegasos Hotels in der Türkei. Generell hält der Trend zum All-inclusive-Urlaub auch im Sommer 2013 an, vor allem Familien schätzen die Budgetsicherheit.

Als Lieblingsdestinationen der ÖsterreicherInnen zeichnen sich auch für den Sommer 2013 Griechenland, die Türkei, Spanien und Tunesien ab. „Besonders erfreulich ist derzeit die Entwicklung in Griechenland mit einem deutlich zweistelligen Zuwachs gegenüber 2012″, sagt Josef Peterleithner. Von den kleineren Destinationen liegen das preislich günstige Bulgarien und die Kapverdischen Inseln, als Alternative zu den Kanaren, im Trend.

Fernreisen sind aufgrund der sehr guten Flugverbindungen und tollen Kombinations-möglichkeiten so beliebt wie nie zuvor, auch wenn im Sommer naturgemäß weniger nachgefragt als im Winter. Hier bleiben die Dominikanische Republik, die Malediven, Thailand und die Vereinigte Arabische Emirate die Lieblingsziele der ÖsterreicherInnen. Neu dazu kommen Kuba und Nordamerika.

TUI-Konzernsprecher Dr. Josef Peterleithner
TUI-Konzernsprecher Dr. Josef Peterleithner ist für die Sommersaison 2013 zuversichtlich (Foto: Friedrich Jansenberger)

Bei der Autoanreise werden auch durch die vielen Kurzurlaubsmöglichkeiten wieder die Länder Italien und Kroatien, aber auch Österreich ganz oben auf der Urlaubsagenda stehen.

„Wir gehen mit vielen flexiblen und zielgruppenspezifischen Angeboten optimistisch in die Sommersaison 2013. Wir sind überzeugt, dass es wieder ein erfolgreiches Jahr wird“, ist TUI-Konzernsprecher Dr. Josef Peterleithner überzeugt.

Auch die Wiener Ferien-Messe 2013 war für den Veranstalterriesen mehr als erfolgreich. „Die Nachfrage nach Urlaubsangeboten hat unsere hohen Erwartungen sogar übertroffen. Wir haben nicht nur mehr Kunden beraten, sondern konnten gegenüber dem Vorjahr sogar mehr Buchungen abschließen. Es war ein perfekter Auftakt für die Sommersaison 2013″, sagt Harald Kraus, Verkaufsdirektor TUI ReiseCenter. Hier einige TUI-Eckdaten von der Ferien-Messe auf einen Blick:

Destinationen: Türkei, Griechenland und Ägypten wurden auch dieses Jahr am stärksten gebucht. Auch Tunesien war gefragt. Auf der Fernstrecke dominierten die Nachfragen für Thailand, gefolgt von der Karibik und den USA.

Urlaubsart: Bei der Urlaubsart überwog die Mittelstrecke vor Fernreisen und Autoreisen.

Produkt: Beim Produkt wurde der Cluburlaub am stärksten gebucht, am beliebtesten waren die CLUB MAGIC LIFE Anlagen, gefolgt von den GULET Holiday Clubs.

Teuerste gebuchte Einzelreise: Die teuerste Buchung war eine Urlaubsreise nach Dubai im Wert von ca. 20.000 Euro.

Stärkster  Ferienmesse Tag an Umsatz: Sonntag (Vorjahr: Samstag)

EU: Politiker verlieren weiter an Zustimmung

Nur noch 12 Prozent der Europäer vertrauen ihren Politikern

Am heutigen 10. Dezember 2012 erhält die Europäische Union den Friedensnobelpreis. Doch Anlass zur Freude gibt es nicht: Denn Europas Bürger stellen den Politikern ein mehr als negatives Zeugnis aus.

In ganz Europa hat das Vertrauen in die politischen Vertreter einen neuen Tiefpunkt erreicht. Waren es 2010 noch 14 Prozent und 2011 noch 13 Prozent, die darauf vertrauten, dass die Politiker gut auf die Zukunft vorbereiten, sind aktuell nur 12 Prozent der Europäer dieser Meinung.

Zu diesem nüchternen Ergebnis kommt die neueste Europauntersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen für die über 11.000 Personen ab 14 Jahren in zehn europäischen Ländern repräsentativ in persönlichen Interviews befragt wurden.

Die Dänen sind die einzigen, die noch halbwegs an das richtige Handeln ihrer gewählten Vertreter glauben. In Polen und Griechenland, Deutschland und Großbritannien ist es dagegen nur noch eine verschwindende Anzahl von Einwohnern, die auf die Zukunftsfähigkeit der Politiker bauen.

„Das Vertrauen in die Politik ist fast gänzlich aufgebraucht. Die Bevölkerung hat das Gefühl, ständig neue Hiobs­botschaften zu erhalten und dabei doch nicht die ganze Wahrheit über das Ausmaß der Krise zu erfahren. Auch sehen die Bürger die Politiker zunehmend als Getriebene an, die nur noch reagieren statt zu agieren und selber den Überblick verloren haben“, so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung.

Leben in fortgesetzten Krisenzeiten: Bevölkerung erwartet auch weiterhin Krisen

Von der Finanz- über die Wirtschafts- bis zur Eurokrise, die Bevölkerung hat das Gefühl, in dauerhaften Krisenzeiten zu leben. Und auch für die Zukunft erwarten über zwei Drittel der Europäer (68%) weiterhin Krisen.

Vor allem in Griechenland und Spanien, die besonders unter der derzeitigen wirtschaftlichen Situation leiden, ist die Sorge groß, auch zukünftig von einer Krise in die nächste zu kommen.

Aber auch drei Viertel der Franzosen und zwei Drittel der Deutschen blicken pessimistisch in die Zukunft. Und selbst bei den sonst so positiv eingestellten Niederländern fürchtet knapp die Hälfte eine Fortsetzung der unsicheren Zeiten.

Reinhardt: „Die Europäer haben mittlerweile erkannt, dass es keine Frage ist, ob es eine neue Krise geben wird, sondern nur wann und mit welchem Ausmaß“.

Angst vor einer zunehmenden Spaltung von Arm und Reich

Europa ist zwar eine der reichsten Regionen der Erde, dennoch leben rund 17 Prozent – oder über 100 Millionen – der Europäer unterhalb der Armutsgrenze. Sie haben nicht genügend Geld, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen.

Auf der anderen Seite wird von Rekordgewinnen und neuen Umsatzsteigerungen auf Unternehmensseite sowie über neue Boni von Bänkern und Vorständen berichtet. Fast drei von vier Europäern (71%) befürchten, dass sich die hieraus resultierende Spaltung der Gesellschaft in Zukunft noch verschärfen wird.

In ganz Europa ist mittlerweile in jedem Land die Mehrheit von dieser Entwicklung überzeugt. Neben den Krisenländern Griechenland und Spanien sind es vor allem wohlhabende Staaten wie Dänemark, Frankreich, Deutschland oder die Schweiz, die diese Sorge teilen.

Die Befürchtungen sind durchaus berechtigt. Laut UN-Bericht verfügen in Europa

  • zehn Prozent der Gesamtbevölkerung über 60 Prozent des Gesamtvermögens;
  • hat sich die Zahl der Millionäre in den vergangenen drei Jahren um 19 Prozent erhöht;
  • besitzen fünf Prozent der europäischen Bevölkerung ebensoviel Immobilien wie die restlichen 95 Prozent;
  • haben sich die Durchschnittsgehälter seit Ende der 1970er Jahre in Europa verdreifacht, die Managergehälter sogar verachtfacht.

„Die soziale Schere ist in ganz Europa weit geöffnet. Die Mittelschicht – als das Rückgrat jeder Gesellschaft – muss entlastet und gefördert werden, ansonsten drohen soziale Spannungen und offene Konflikte“, befürchtet Prof. Reinhardt.

 

Geheimplan für eine neue EU!

European Union
Die Flagge der Europäischen Union: Zu Beginn waren es 12 Mitgliedsstaaten – symbolisiert durch zwölf Sterne. Jetzt sind es bereits 27 EU-Länder  (Foto: EU)

Nach Portugal, Irland und Griechenland steht nun Spanien vor dem Abgrund eines Staatsbankrotts. Mit hundert Milliarden Euro will die EU Spaniens Banken, die sich im Immobilienbusiness verspekuliert haben, retten. Und schon steht die nächsten Pleitekandidaten vor den Toren Brüssels: Italien und Zypern.

Wieviele Millionen Euro dürfen es denn diesmal sein, um die Schuldenmacher und Bankenzocker vor der Insolvenz und dem Staatsbankrott zu retten? Ist die EU jetzt eine Rettungsbank, die locker vom Hocker Geld verteilt, damit die Spaltung der Eurozone in zwei Regionen – in die noch stabile im Norden und in die schwerkranke im Süden Europas – verhindert wird?

Wie lange können es sich die relativ ordentlich wirtschaftenden EU-Mitgliedsländer leisten, mit Steuergeldern Steuerflüchtlingen und Steuerverweigerern in Griechenland, Spanien und Italien unter dei Arme zu greifen? Und was ist mit dem Offshore-Paradies Zypern, wo Milliarden Euro in Briefkastenfirmen und Scheinunternehmen gebunkert sind?

Die spanische Grippe hat bereits viel zu viele EU-Mitgliedsländer angesteckt. Denn wer sagt, dass nicht morgen bereits andere Pleitekandidaten für den Niedergang des Euro sorgen werden? Noch redet niemand von der Finanzkrise Frankreichs, noch wird der Mantel des Schweigens über die tatsächliche finanzielle Lage in Österreich gelegt.

Und aus der einst bejubelten Idee eines „Marshallplans“ für krisengeschüttelte Staaten ist inzwischen ein „Marshallplan“ für die Rettung der Banken geworden. Der Euro-Stabilitätspakt von Maastrich ist längst reine Makulatur – auch Österreich hält sich nicht mehr daran. Der nächste Streich aus Brüssel kündigt sich an: EU-Kommissionspräsident Barroso hält die Bankenunion bereits im kommenden Jahr für realistisch.

Spitzen der europäischen Institutionen arbeiten hinter den Kulissen von Brüssel heimlich an einem Masterplan für ein neues und angeblich stabileres Europain den nächsten fünf bis zehn Jahren.

English: The President of the European Council...
Sie wollen einen neuen Masterplan für ein besseres Europa: Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, und EU-Kommissionschef José Manuel Barroso (Foto: Wikipedia)

Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, EU-Kommissionschef José Manuel Barroso,  Vorsitzender der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi werken an Strukturreformen, einer Banken-Union, eine Fiskalunion und eine politische Union.

„Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass man dafür einen hohen Preis zahlen könnte: eine weitere Spaltung zwischen den 17 Euro-Ländern und den restlichen zehn, mit Kroatien ab dem kommenden Jahr elf EU-Staaten. Schon als Merkel den Fiskalpakt durchdrückte, nahm sie in Kauf, dass sich mit Großbritannien und Tschechien zwei EU-Partner verweigerten“, kommentiert die Internetplattform „Weltonline“ die hektische Aktivitäten in der EU. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bringt es auf den Punkt: „ Bevor wir uns über ein gemeinsames Schuldenmanagement unterhalten, brauchen wir eine richtige Fiskalunion.“

Und Österreichs Finanzministerin Maria Fekter ist felsenfest überzeiugt, dass sich „auch die österreichischen Steuerzahler an der Rettung spanischer Banken beteiligen müssen“, verkündete sie jetzt in der ZIB2. Fekter: „Alle Länder der Euro-Zone müssen gemeinsam gegen die Krise kämpfen.“

Als Retttungsanker denkt sie dabei an eine europäische Fiskalunion, die eine Änderung der Lissaboner Verträge erfordert. Ob es erforderlich ist, die großzügigen Steuerzahler in Österreich diesbezüglich in einer Volksabstimmung zu befragen, lässt sie offen: „Darüber müssen wir zuerst reden und diskutieren.“ Wer, bitte, ist wir?
GeKa