Schlagwort-Archive: Diskussion

Wandelt sich das Klima zur Katastrophe?

„Heiße Luft nach Kopenhagen“ von Reinhard Böhm heizt die Diskussion um das Reizthema Klimawandel auf. Ein Buch zur Information und Provokation
„Heiße Luft nach Kopenhagen“ von Reinhard Böhm heizt die Diskussion um das Reizthema Klimawandel auf. Ein Buch zur Information und Provokation (Edition Va Bene)

Der Hurrikan Sandy hat New York und die halbe Ostküste Amerikas lahmgelegt und wirbelt auch wieder das Thema Klimawandel und seine Auswirkung auf: schmelzende Gletscher, Jahrhundertfluten und monströse Murenabgänge wie im Sommer in der Steiermark – extreme Wetterereignisse sind auch in Österreich keine Seltenheit mehr.

Hat die große Klima-Apokalypse schon begonnen? Wandelt sich das Klima zur Katastrophe? Ein brisantes und heißes Thema, das keinen kalt lässt. Dazu einen Buchtipp für alle, die zu diesem Thema mehr wissen möchten, sollten und müssten: „Heiße Luft nach Kopenhagen“ von Reinhard Böhm, eine überaus kritische Analyse aus der renommierten Edition Va Bene (ISBN 978-3-85167-243-5).

Der Autor Dr. Reinhard Böhm, Klimatologe und Leiter diverser internationaler Forschungsprojekte zur Variabilität des Klimas in Österreich und im Großraum Alpen, setzt sich kritisch und provokant mit dem Dauer-Reizthema Klimawandel auseinander. Allgemeinverständlich erklärt er den heutigen Stand der Wissenschaft und zeigt deren vorhandenen Unsicherheiten auf – basierend auf objektive Daten und Fakten.

Watergate, Climategate, Kopenhagengate: Was nun, wie geht’s weiter? Ist alles normal, abnormal oder postnormal? Ist der Klimawandel nur eine künstliche mediale Aufregung oder müssen wir uns schon bald warm anziehen, weil die nächste Eiszeit kommt?

Werbeanzeigen

ORF-Sommergespräche: Wird Faymann Quotenkönig?

Den ORF-Sommergesprächen 2011 waren bisher kein Erfolg beschieden. Absolutes Quotentief war das Frage-Antwort-Spiel von Moderatorin Ingrid Thurnher mit Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger am Freitag, dem 26. Juli: Nur rund 271.000 Gebührenzahler hatten den Nerv, die Sendung  zu verfolgen. Das entspricht einem Marktanteil von 14 Prozent.

Mit dieser Einschaltquote ist der Vizekanzler vorläufig das Schlusslicht. Grünen-Chefin Eva Glawischnig konnte noch 306.000 Zuseher wach halten, während BZÖ-Chef Josef Bucher – er war der erste Gast – es immerhin auf 318.000 nicht eingeschlafene Zuseher brachte.

Beim Sommergespräch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache waren im Durchschnitt 411.000 Gebührenzahler hellwach dabei – um mehr als 200.000 Zuseher weniger als im Vorjahr. Auch seine blauen Augen und seine verkrampfte Zurückhaltung konnten am mageren Ergebnis nichts ändern.

Ob das Sommergespräch mit Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann am Dienstag, dem 30. August, mehr Zuseher vor die Mattscheibe locken oder ein totaler Flop wird, hängt von den Fragen der Moderatorin Ingrid Thurnher ab.

Zwei Themenkreise stehen auch schon fest: Die im Wiener Wahlkampf losgetretene Debatte um die Abschaffung der Wehrpflicht. Und die Wiedereinführung der Vermögens- und Erbschaftssteuer.

Die Positionen von SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne und BZÖ dazu sind durchgekaut – also zusehen, oder abschalten und dafür ein gutes Buch lesen. Zum Beispiel: Die Blödmaschinen – Die Fabrikation der Stupidität von Markus Metz und Georg Seeßlein (edition suhrkamp).

Wetten, dass es spannender ist als das ORF-Frage-Antwortspiel? Nach der Lektüre wird Ihnen klar werden, warum wir für dumm verkauft und für dumm gehalten werden. 
Georg Karp
 

Wie krank ist Österreichs Gesundheitssystem?

Alpbach Late Night Talk zum Theme Gesundheitsreform
Alpbach Late Night Talk zum Theme Gesundheitsreform

Wie stehen heute, zwei Jahre vor der nächsten National­ratswahl, tatsächlich die Chancen für eine echte, tiefgrei­fende Reform des österreichischen Gesundheitssystems? Zu dieser Frage, die jetzt in Alpbach beim Late Night Talk diskutiert wurde, herrscht eine klare Stimmungslage in der österreichischen „Gesundheits-Landschaft“: Bei dem elektronischen Voting hielten 90 Prozent der Anwesenden – faktisch allesamt Vertreter des österreichischen Gesundheitswesens – eine Reform für notwendig. Doch fast zwei Drittel (64 Prozent) meinten, bis 2014 – immerhin ein Jahr nach den im Jahr 2013 anstehenden Nationalratswahlen – seien tiefgreifende Änderungen nicht realistisch. Es werde wahrscheinlich eher zu kleinen Schritten kommen.

Evelyn Schödl, Präsidentin des „Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie“ (FOPI) betonte beim Alpbach Late Night Talk: „Wenn es um den Zugang zur Gesundheitsversorgung geht, dürfen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein, im Gegenteil: Diese Vereinbarkeit muss Zielsetzung jeder Gesellschaft sein. Um dieses Ziel leistbar zu machen, sind – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – eine klare politische Prioritätensetzung sowie ein gesamtheitlicher Ansatz notwendig, den alle betroffenen Stakeholder mittragen.  Ein wesentlicher Bestandteil ist die Sicherstellung, dass die PatientInnen in Österreich Zugang zu pharmazeutischen Innovationen haben. Die forschende Pharmaindustrie ist bereit, nicht nur innovative Medikamente auf den österreichischen Markt zu bringen, sondern sich auch mit Reformvorschlägen aktiv einzubringen.“

Andreas Steiner, Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH, sieht bei „Gesund, gerecht, bezahlbar“ einen Widerspruch: „Solange jede Reforminitiative durch Fokussierung auf eigene Vorteile einzelner Systemteilnehmer gebremst wird, wird sich nichts bewegen. Der Patient im Mittelpunkt und jegliche Partikularinteressen der verschiedenen Stakeholder im Hintergrund muss daher die zentrale Forderung sein. Gemeinsame Ziele und zwischen den Systempartnern abgestimmte Umsetzung werden unumgänglich. Wir spüren den Kostendruck gewaltig. Unser großes Thema sind die Ambulanzen. In den letzten zehn Jahren hatten wir eine Ausgabensteigerung um hundert Prozent.“

Außerhalb des Krankenhausbereiches gäbe es nicht immer eine optimale Versorgung (Randzeiten, Wochenenden). Andererseits landen weiterhin zu viele Patienten ohne ärztliche Überweisung in den Krankenhausambulanzen. 60 Prozent der Personen, die als „Selbstzuweiser“ in die Ambulanzen kämen, könnten von niedergelassenen Ärzten betreut werden, in Sachen Dermatologie sogar 90 Prozent.

Thomas Czypionka, Institut für Höhere Studien (IHS) , unterstrich: „Gesundheitliche Verbesserungen, Chancengleichheit, gerechte Finanzierung und Möglichkeit zur Inanspruchnahme sowie Leistbarkeit für den Einzelnen sind Ziele der WHO für Gesundheitssysteme und somit nicht grundsätzlich widersprüchlich. Dennoch stehen sie in einem Spannungsverhältnis und die Zielerreichnung gelingt in Österreich nicht gänzlich. Mit dem Masterplan Gesundheit wurde erstmals ein Konzept auf den Tisch gelegt, das die Bedeutung kontinuierlicher, langfristiger Reformen im Dialog anerkannt. Mittlerweile spüren Länder wie Sozialversicherung schmerzlich die Pattsituation in ihren Budgets und bringen Vorschläge. Der Zeitpunkt für echte Reformen ist also günstig, die Standpunkte jedoch sind sehr gegensätzlich. Das Problem ist, dass sich inhaltlich zu wenig ändert und die politischen Prozesse zu langsam sind. Ab 2020 wird ein dramatischer Alterungsprozess einsetzen, weswegen es entscheidend ist in den nächsten 10 Jahren Veränderungen im Gesundheitssystem zu schaffen, denn sonst wird das System bald nicht mehr gerecht sein.“

Auch Gerald Bachinger, Sprecher Patientenanwälte Österreich, sieht im Motto der Diskussion keinen Widerspruch: Damit aber diese Ziele in der Zukunft weiterhin erreicht werden können, müssen grundlegende Strukturreformen begonnen und vollständig umgesetzt werden. Eine offene Diskussion, abseits von Tabus und „heiligen Kühen“ und ein klares und nachdrückliches Zurückdrängen von singulären Gruppeninteressen, unter Zugrundelegung von „public health“ Grundsätzen, ist das Gebot der Stunde.

„Reformen sollten dann gemacht werden solange es dem österreichischen Gesundheitssystem noch gut geht, denn steigender Druck führt sonst zu versteckten Rationierungen. Wir müssen konkret dort ansetzen wo es schmerzt“, so Bachinger.

Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer betont, dass bei der Frage „Gesund, gerecht, bezahlbar – ein Widerspruch?“ Dinge miteinander verknüpft werden, die nichts mit einem Gesundheitssystem zu tun haben: „Ein Gesundheitssystem muss ideologiefrei und sachlich agieren, dann kann es sich selbst reformieren. Wenn jedoch Tagespolitik und Ideologie selbst in die kleinsten und konkretesten Ecken vordringen, ist Stillstand und Versagen programmiert. Entscheidend ist eine Verfassungsreform. Ohne diese kann es keine Gesundheitsreform geben. Unser Krankenversorgungssystem verdient nur an Krankheit, nicht an Gesundheit, hier muss es die richtigen Incentives in Richtung Prävention geben.“

Diskussionsrunde beim 3. Alpbacher Late Night Talk zum Thema Gesundheitsreform in Österreich
Diskussionsrunde beim 3. Alpbacher Late Night Talk zum Thema Gesundheitsreform in Österreich

Alois Guger, Institut für Wirtschaftsforschung, ortet Reformbedarf: „Die Bürger sind mit dem österreichischen Gesundheitssystem zufrieden, es bestehen aber erhebliche Ineffizienzen und Rationalisierungspotentiale.“ Das System sei mit 10,5 % des BIP überdurchschnittlich teuer, unsere Gesundheitserwartung (beschwerdefrei Lebensjahre) sei aber unterdurchschnittlich: mit 58,8 Jahren fast drei Jahre unter dem EU-Schnitt (61,5). In Malta, Schweden und Großbritannien liegt sie bei 68 Jahren. Durch eine höhere Gesundheitserwartung kann man die Menschen länger im Arbeitsleben halten. Das Pensionsantrittsalter muss angehoben werden. „Die Prävention ist unterbewertet und ein großer Kostentreiber seien die Spitalskosten“, betont Guger, „Zudem ist der Zeitpunkt für eine Reform besonders günstig, denn der finanzielle Druck steigt.“

Auch Josef Probst, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger verweist auf die geringen gesunden Lebensjahre im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten. „Die Strategie der Sozialversicherung setzt an den zentralen Lebensstilfaktoren Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit und Suchtprävention an. Aber auch alle anderen Politikfelder müssen auf einander abgestimmt dazu beitragen, gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen bereitzustellen. Unser Ziel muss es sein, alles daran zu setzten einen Beitrag zu einem längeren und selbstbestimmten Leben bei guter Gesundheit zu leisten. Der Bund muss Partner für Reformen sein.“

Martin Gleitsmann, Mitinitator der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich und WKO-Abteilungsleiter für Sozialpolitik und Gesundheit Wirtschaftskammer: „Ausgangspunkt für eine gerechte Ressourcenallokation muss immer der konkrete Patientennutzen sein. Effizienzpotentiale müssen gehoben werden, damit das Gesundheitssystem nachhaltig finanzierbar bleibt. Unerlässlich zur nachhaltigen Steigerung der Produktivität und Behandlungsqualität ist eine Investition in Innovation. Wir brauchen nicht alles für jeden, sondern das Richtige für den Einzelnen! Ziel der Gesundheitsreform muss „Gesund, gerecht, bezahlbar ohne Widerspruch“ sein, im Sinne der Patienten und der Kosten. Das kann aber nur gelingen wenn es eine ehrliche Diskussion gibt und alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“ (Quelle: www.glaxosmithkline.at; GeKa)

Anbei das Votingergebnis im Detail als PDF zum Downloaden Alpbach DigiVoting zum Thema Gesundheitsreform

Der Unbelehrbare auf seinem Kreuzzug gegen die Moderne

Der demokratischen Gesellschaft droht Gefahr aus dem Vatikan. Ein geistiger Rückfall in die finstere Vergangenheit des fundamentalen Katholizismus breitet sich aus wie ein unheilbares Krebsgeschwür: Denn der deutsche Papst in Rom will eine geistig-moralische Wende herbeiführen, die Moderne soll endlich zu Kreuze kriechen.

Mit schweren Geschützen fährt der britisch-deutsche Journalist und Autor Alan Posener, 62, in der aktualisierten Ausgabe seines Buchs „Der gefährliche Papst“ (Ullstein) auf, dokumentiert in seiner kritischen Streitschrift gegen Benedikt XVI., dass der Papst, ein Feind der Aufklärung, schon seit langem einen konsequenten Feldzug gegen die Errungenschaften der Moderne führt.

Der gefährliche Papst. Eine Streitschrift gegen Benedikt XVI. von Alan Posener. Aktualisierte Taschenbuchausgabe aus Ullstein Verlag
Der gefährliche Papst. Eine Streitschrift gegen Benedikt XVI. von Alan Posener. Aktualisierte Taschenbuchausgabe aus Ullstein Verlag

Unverblümt wirft er dem deutschen Papst in Rom vor, dass er „mit großer Radikalität und Beharrlichkeit die Grundsätze eines intellektuellen Rollbacks der Moderne postuliert, den weltlichen Staat und die Werte der Aufklärung  bekämpft: Pluralismus der Gesellschaft und des Glaubens, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frau, Emanzipation der Wissenschaft und der Religion.

„Benedikts Kreuzzug gilt Europa. Ihn zu kritisieren heißt, sich der geistigen Grundlagen des modernen Europa zu versichern. Europa ist für Benedikt der Hauptkampfplatz. Hier hatte die Aufklärung ihren Ursprung, hier ist die Säkularisierung am weitesten gediehen, hier vor allem wird Benedikts Rat für die Neuevangelisierung tätig werden. Europa soll nach seinem Willen wieder zu einem christlichen Kontinent werden – und zwar christlich im Sinne der vorreformatorischen Kirche“, sagt der bekennende Atheist Alan Posener.

Für den Papst ist die Geschichte Europas seit der Reformation eine Geschichte des moralischen und geistigen Verfalls, die Aufklärung ein Sündenfall. Posener: „Er deutet den Begriff der Vernunft um und macht sie so zu einem Instrument, das die Menschen in Abhängigkeit von der Kirche halten soll. Den Pluralismus der Demokratie kritisiert Benedikt als Diktatur des Werterelativismus, und indem er behauptet, dieser führe zum ungehemmten Egoismus und zur Auflösung von Familie, Moral und öffentlicher Ordnung, delegitimiert er die Demokratie.“

Was Benedikt XVI. will, so der Autor und Korrespondent für Politik und Gesellschaft für die Welt am Sonntag und einer der einflussreichsten deutschen Blogger, „ist ein Rollback der Aufklärung, der Moderne. Er trifft in Europa auf eine weitverbreitete Forschrittsmüdigkeit und Zivilisationskritik, auch unter Menschen, die mit dem Katholizismus nichts am Hut haben. Darum sind seine Ideen gefährlich. Benedikts gefährliche Ideen kritisieren heißt, sich erneut der geistigen Grundlagen des modernen Europa versichern.“

Die zahlreichen Sex-Skandale um Seminaristen, Priester, Bischöfe und Kardinäle ließen den Papst – so der Buchautor Posener – ungerührt, er gehe weiterhin gegen Homosexualität und die Emanzipation der Frau vor.

Als Beleg dafür zitiert er Benedikt XVI. wörtlich: „Es ist keine überkommende Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau spricht und fordert, dass diese Schöpfung auch respektiert wird.“

Diese Festellung des amtierenden Papstes provoziert Alan Posener zur kritischen Frage: „Wollen wir statt der angeblichen Diktatur der demokratischen Vielfalt etwa eine Diktatur der absoluten Wahrheit des Papstes?“

Mit seiner Rede im KZ Auschwitz am 29. Mai 2006 revidierte der deutsche Papst Benedikt XVI. die Position der katholischen Kirche zum Holocaust, „instrumentalisierte seinen Auschwitz-Besuch zur Relativierung deutscher Schuld“ (Posener). Er klagte bei seinem Auftritt in Auschwitz das Schweigen Gottes an, verabsäumte es aber, zu fragen, warum denn die katholische Kirche zu all den Gräueln der Nazi-Zeit geschwiegen habe.

Alan Posener: „Statt zu fragen, wie Gott das alles dulden konnte, hätte sich das Kirchenoberhaupt fragen müssen, wie seine Kirche so etwa geschehen lassen konnte. Allerdings hätte die Frage nach dem Schweigen der Kirche Antworten verlangt, die von diesem Papst nicht zu erwarten sind.“

Ein weiterer Vorwurf den den Pontifex Maximus: Er verfolge das Ziel, den Anteil des christlichen Antijudaismus am Antisemitismus herunterzuspielen und so das moralische und politische Versagen der katholischen Kirche zu verdrängen.

In diesem Kontext sei die Verschärfung des Tons gegenüber den Juden zu sehen, „wie sie in der neuen Karfreitagsfürbitte der Lateinischen Messe zum Ausdruck kommt wie in der Kapitulation der Kirche vor den antisemitischen Pius-Brüdern.“ Als der deutsche Papst einen Holocaust-Leugner zurück in den Schoß der Kirche holte, war das Entsetzen groß, doch dieser Schritt war nicht gedankenlos, meint der Buchautor.

Für Alan Posener, der zahlreiche Monographien u.a. über Jungfrau Maria, William Shakespeare und John F. Kennedy veröffentlicht hat, ist die „benedettinische Wende“ eine massive „Umwertung aller Werte, eine Verneinung von allem, was dem Westen bei aller Unzulänglichkeit zur liebens- und lebenswerten Gesellschaft macht. Sie hat letzten Endes mit dem fundamentalistischen Islam mehr gemein als mit der säkularen Gesellschaft Europas.“

Papst-Kritiker Alan Posener: „Auf den Dschihad gegen den säkularen Westen wollen manche nicht mit einer Verteidigung des Säkularismus, sondern mit einem Kreuzzug antworten. Benedikt ist ihre Leitgestalt. Bedeutet das Zweite Vatikanische Konzil die verspätetete Anpassung der Kirch an die Moderne, so bedeutet das Pontifikat Benedikts XVI. die Anspassung der Moderne an die Kirche.“

Vom 22. bis 25. September besucht der deutsche Papst seine Heimat. Der Besuch steht unter dem Motto „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. Zwei zentrale Themen rücken dabei in den Blickpunkt, die ähnlich den Brennpunkten einer Ellipse die beiden Schwerpunkte des Besuchs Papst Benedikt XVI. in Deutschland sein werden: Die Frage nach Gott und nach der Zukunft. Die 21. Auslandsreise führt Papst Benedikt XVI. in das Erzbistum Berlin, in das Bistum Erfurt und das Erzbistum Freiburg.

Alan Posener: „Ich klage Benedikt an. Ich halte sein politisches Denken für irregeleitet, gefährlich und in letzter Instanz für menschenverachtend. Mir geht es nicht um die Person. Mit geht es um die Sache. Die benedettinische Wende geht nicht nur Theologen an, und auch nicht nur Katholiken, sondern alle Bürger Europas.“
Georg Karp

Fünf Fünfer für die ÖVP!

Schluss mit Sitzenbleiben hieß noch vor kurzem das Credo der SPÖ-Ministerin Claudia Schmied und des ÖVP-Bildungssprechers Werner Amon. Mit bis zu drei Fünfer sollten künftig Schüler in der Oberstufe aufsteigen dürfen.

Doch jetzt wird wieder um „ein Detail“ gestritten, jetzt bekommt die schwarze Reichshälfte kalte Füße, das Herz rutscht in die Hose und der Mut gibt Fersengeld.

Handschlagqualität, was ist das? Getreu dem Adenauer-Ausspruch „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ geht das koalitionäre Gezänk weiter.

Der kleine Schwarze an der Spitze der ÖVP wittert Morgenluft, will sich profilieren, will zeigen, wer was in der ÖVP zu sagen hat und haut intern auf den Putz, dass sogar die steirischen Eichen wackeln.

Da fragt sich das staunende Wahlvolk angesichts des ÖVP-Saltos nach rückwärts: Wissen die da oben denn nicht, was sie gestern noch besprochen haben? Hat Werner Amon vielleicht seinem Parteichef die Show gestohlen, wird hier ein parteipolitischer provinzieller Länderkampf auf dem Rücken der Schüler und Eltern ausgetragen?

Sitzen bleiben! Fünf Fünfer für die ÖVP und ein Genügend für die Koaltion!
Georg Karp

EU-Marshall-Plan für Hellas?

Joschka Fischer will „Hellas von Sinnen“ mit einem EU-Marshall-Plan unter die Arme greifen. Damit wir wissen, wovon Joschka Fischer redet: Der Marshall-Plan (European Recovery Program) war das wichtigste wirtschaftliche Wiederaufbauprogramm der USA, das nach dem Zweiten Weltkrieg dem zerstörten Westeuropa zugute kam. Es bestand aus Krediten, Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren. Das heißt: Es war ein Mix aus verschiedenen Hilfsmaßnahmen und nicht nur frisch gedruckte Greenbacks.

Haben wir also von den Politikern gehört, wie sie sich konkret den EU-Marshallplan für Griechenland vorstellen? Gehört haben wir und hören noch immer nur abstrakte Worthülsen, die nur eins verschleiern sollen: Griechenland braucht noch mehr Euro-Milliarden als offiziell kommuniziert wird.

Das hat auch kürzlich die Bilderberg-Gruppe bei ihrer Konferenz ratlos festgestellt. Guter Rat ist teuer, also her mit noch mehr Milliarden. Wir haben’s ja. Die Wut-Bürger dürfen weiterhin den Gürtel enger schnallen, die neue Weltwirtschaftskrise hat erst begonnen.
(c) Georg Karp