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Die Blödmaschinen und das Denken

„In einer Konsensgesellschaft unterdrückt man das gefährliche Denken durch zwei sehr bewährte Mittel. Man überträgt ihm gesellschaftlich einen Geruch. Denken ist peinlich, vor allem öffentlich. Eine Art, sich danebenzubenehmen. Und weil aber das Denken trotz allem nie ganz verleugnen kann, aus einem Vergnügen entstanden zu sein (the best things in life are free!), geht es darum, andere Dinge an seine Stelle zu setzen. Wir nennen sie: die Blödmaschinen.“

„Blödmaschinen wirken nicht in den Kellern der Inquisition, und sie werden nicht in geheimen Kommandozentralen gesteuert. Sie sind demokratisch, menschlich und transparent. Jeder kann sie mit betätigen, jeder könnte sie ausschalten, für seinen Teil. Blödmaschinen machen selten angst (na ja, ab und zu drehen sie durch, und das kostet Opfer), sie verlangen nur wenig Unterwerfung (dies aber dann regelmäßig und verläßlich), und sie versprechen jede Menge Vergnügen. Ordentliches, berechenbares, ungefährliches Vergnügen. Und gar nicht mal so teuer.“

„So weit, so schön und einfach. Aber leider: Für schöne und einfache Sachen sind die Blödmaschinen zuständig. Das Denken macht es sich mal wieder schwerer.“

„Alles, was man denken kann, kann man auch ändern. Die Herrschaft der Blödmaschinen besteht darin, die Welt undenkbar und damit unveränderbar zu machen. Die Welt wieder denkbar und veränderbar zu machen – das wäre doch was. Oder?“

Markus Metz und Georg Seeßlen in

Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität (Leseprobe) edition suhrkamp

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Arnies Liebeserklärung

Die Schlagzeilen des Boulevards in dieser Woche verheißen nichts Gutes. „Das erste Arnie-Busserl auf heimischem Boden“ vermeldete das kleinformatige Populistenblatt auf einer Doppelseite.

Das ihm familiär nahestehende U-Bahn-Gratisblatt zeigte den strahlenden schauspielernden Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger mit dem säuerlich lächelnden Kanzler Werner Faymann beim Shakehands nach einem 70 Minuten dauernden „Arbeitsgespräch“ – was da wohl beredet wurde, bleibt Männersache, versteht sich.

„Liebe Österreicher, EUCH bin ich treu!“ verspricht der „Heimkehrer“ zum Abschied treuherzig dem Kanzler in die Hand.

Da muss auch der Dritte  im Bunde des Boulevards auf Seite eins im Kampf um Leser und Sensationen mithalten. „Ich komme zurück!“ verspricht der wegen seiner erfolgreichen Seitensprungpolitik vom „Terminator zum Sperminator“ von der amerikanischen Öffentlichkeit degradierte Ex-Governator dem österreichischen Regierungschef.

Spätestens im Herbst zur Eröffnung des Schwarzeneggers Museum in seiner steirischen Heimatgemeinde Thal will er wieder in die Alpenrepublik jetten, weil ihm dort Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn so gut schmecken: „I’ll be back. Ich komme zurück.“

Und schon beflügelt das die Fantasie des rot-weiß-roten Boulevardblattes: „Will er jetzt Präsident werden?“ Die Frage steht neben einem Foto auf Seite eins, das den amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer mit dem abgewählten Gouverneur von Kalifornien zeigt. Ja, sensationelle Zeiten brechen für Österreich an. Wer setzt dem Terminator die Krone auf?
Georg Karp