Drogensituation in der EU ist alarmierend

Europa ist mit einem zunehmenden Drogenproblem konfrontiert. Laut dem von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht erstellten Europäischen Drogenbericht 2016  haben die Anzahl, Art und Verfügbarkeit neuer psychoaktiver Substanzen auf dem europäischen Markt weiter zugenommen. „Neue psychoaktive Substanzen, Stimulanzien, Heroin und andere Opioide werden weiterhin in starkem Maße nachgefragt und angeboten, was erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat“, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos bei der Vorstellung des Drogenberichts 2016 heute (Dienstag) in Lissabon.

Im Jahr 2014 kam es in der Europäischen Union zu schätzungsweise mindestens 6 800 Todesfällen aufgrund von Überdosierungen. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber dem berichtigten Wert des Jahres 2013. Wie in den Vorjahren entfällt ein großer Teil der insgesamt verzeichneten Todesfälle auf das Vereinigte Königreich (36 Prozent) und Deutschland (15 Prozent).

Laut dem Drogenbericht haben die Anzahl, Art und Verfügbarkeit neuer psychoaktiver Substanzen auf dem europäischen Markt weiter zugenommen, derzeit werden über 560 neue psychoaktive Substanzen von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht beobachtet. 2015 wurden 98 neue Substanzen erstmals gemeldet (gegenüber 101 im Jahr 2014).

Auch der MDMA-Konsum (häufig als „Ecstasy“ verkauft) ist wieder auf dem Vormarsch und gilt nach rückläufigen Tendenzen als eins der bevorzugten Stimulanzien unter jungen Menschen in Europa. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass MDMA keine Nischendroge mehr darstellt, die nur von bestimmten Subkulturen und in Tanzclubs konsumiert wird, sondern ihr Konsum ein breiteres Spektrum junger Menschen in gewöhnlichen Nachtlokalen wie Bars sowie auf Partys betrifft. Laut der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht steht der erneute Vormarsch von MDMA mit „neuen Methoden der Beschaffung von Drogenausgangsstoffen, neuen Herstellungsverfahren und dem Online-Angebot“ in Zusammenhang.

Dazu erklärte Alexis Goosdeel, Direktor der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht : „Aufgrund des Vormarschs von MDMA müssen bestehende Maßnahmen zur Prävention und Schadensminimierung überdacht werden, um die Maßnahmen auf eine neue Population von Konsumenten abzustimmen, die womöglich hoch dosierte Produkte konsumieren, ohne die damit verbundenen Risiken hinreichend zu kennen. In unserem neuen Bericht wird auf Vergiftungen und sogar Todesfälle in Verbindung mit dieser Droge hingewiesen. Dies ist außerordentlich besorgniserregend, da MDMA in etabliertere soziale Milieus vordringt und zunehmend über Online-Märkte angeboten wird.“

In einigen Ländern gibt auch die steigende Zahl der erstmaligen Behandlungsnachfragen im Zusammenhang mit Amphetaminen trotz relativ stabiler Konsumraten Anlass zur Besorgnis. Insgesamt war in Europa in den vergangenen zehn Jahren ein 50-Prozentiger Anstieg bei der Zahl der Erstklienten zu beobachten, die Amphetamine als Primärdroge angaben. Dieser Anstieg ist in erster Linie auf die Zunahme von Amphetaminen in Deutschland sowie auf eine, wenn auch geringere, Zunahme von Methamphetaminen in der Tschechischen Republik zurückzuführen.

Die Vorsitzende des Verwaltungsrates der EMCDDA, Laura d’Arrigo, sagte: „Nur wenige Wochen nach der Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Thema Drogen veranschaulicht dieser Bericht den von der Europäischen Union seit Langem

verfolgten Einsatz für einen faktengestützten Ansatz in der Drogenpolitik. Der Bericht beinhaltet eine umfassende Analyse der jüngsten Trends und Entwicklungen in den 28 EU-Mitgliedstaaten sowie in der Türkei und in Norwegen. Er führt uns vor Augen, dass einige der seit Langem bestehenden Probleme noch immer nicht gelöst sind, während gleichzeitig neue Bedrohungen zutage treten, vor allem die fortschreitende Entwicklung des Marktes für synthetische Drogen. Ich bin davon überzeugt, dass ein solcher Bericht zum Wissensaustausch über die Drogensituation in Europa beiträgt und den Weg bereitet, zusammen neue Antworten auf diese Herausforderungen zu entwickeln.“ (Quelle: EU, Europäische Kommission, Drogenbericht 2016; Photo: Pixabay)

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