So schön lebt’s sich als Dompfarrer zu St. Stephan

Es ist eine wahre Lust, Dompfarrer zu St. Stephan in Wien zu sein. Gestylte Luxusdachwohnung mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz am Stephans-Platz – natürlich ist’s eine Dienstwohnung, die steuerlich angerechnet wird. Bei Events mit VIPS und Pseudo-Promis dabei zu sein, sich gratis beim Stehbuffet durchzubeißen und durchzukosten, und das alles nur um Gotteslohn und ein herzliches Vergelt’s Gott.

Ja, der umtriebige Gottesmann ist eine echte gesellige Frohnatur – sogar mit eigener Facebook-Seite im Internet. Und im angrenzenden Luxus-Restaurant Do & Co, gleich um die Ecke seines Domizils, ist der stets elegant gekleidete Dompfarrer gern gesehener Gast. Herrlich, ein Dompfarrer in Wien zu sein.

Der Arbeitgeber des geselligen Partygehers und auf noblen Lebensstil bedachten Dompfarrers muss Geld wie Heu haben. Sonst könnte er sich eine Immobilie mit Dienstdachwohnung mit 100 qm auf dem teuersten Pflaster von Wien nicht für seinen gottbegnadeten Mitarbeiter und eifrigen Charity-Teilnehmer leisten, der sich kürzlich sogar barfuß wie Jesus in seinem standesgemäßen Domizil auf Augenhöhe mit seinem Arbeitsplatz und mit tiefem Blick nach unten zum Fußvolk für den Boulevard fotografieren ließ.

„Jedes irdische Zuhause ist nur ein Zelt, das irgendwann abgebrochen wird – so wie unser Leben“, meinte der Dompfarrer bescheiden vor einiger Zeit in einem Interview. Seit sieben Jahren lebt er glücklich und zufrieden in diesem Luxuszelt am Stephans-Platz.

Übrigens: Dem Dompfarrer von St. Stephan war im Juni 2009 der Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgenommen worden. „Ich habe gesündigt“, beichtete er geknickt seinem schrillen Leib- und Gratisblatt.

Und prompt unterstützte er damals völlig freiwillig als Testimonial die Anti-Alkohol-am-Steuer-Kampagne von SPÖ-Infrastrukturministerin Bures. Natürlich alles gratis, man ist ja selbstlos und bescheiden, wie sich’s für einen prominenten Dompfarrer in Wien halt gehört.

„Es lohnt sich, den Kirchenbeitrag zu bezahlen. Auch der Staat anerkennt die Leistungen der Kirche für die Gesellschaft und unser Land“, verkündet die Erzdiözese Wien auf ihrer Webseite.

Ja, es muss sich rechnen, denn sonst würde der Dompfarrer wieder zu ebener Erde oder wenigstens im ersten und nicht im letzten Stock einer Luxus-Dienstgeberwohnung die Früchte seiner seelsorgerischen Arbeit genießen. Es sei ihm gegönnt. Denn Dompfarrer zu St. Stephan ist ein harter Job, um den ihn kein Dorfpfarrer beneidet. Es sei ihm angesichts des schweren Amtes das Leben in höheren Sphären gegönnt.

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